Ja — bei Agrar-Forschungsanträgen ist der Schlüssel meist nicht nur „gute Wissenschaft“, sondern sichtbare Passung zu politischen Transformationszielen plus glaubwürdiger Praxisnutzen. Unten ist eine strukturierte Übersicht, welche EU- und Bundesziele derzeit besonders förderrelevant sind und wie man daraus Argumente für einen Antrag ableiten kann.
Kurzfazit: Was spricht stark für eine Bewilligung?
Ein Agrar-Forschungsprojekt hat besonders gute Chancen, wenn es mehrere dieser Punkte kombiniert:
-
Klimaschutz und Klimaanpassung
z. B. weniger Treibhausgasemissionen, resilientere Anbausysteme, Wassermanagement, Hitzestress, Dürretoleranz. -
Bodengesundheit
z. B. Humusaufbau, Erosionsschutz, Bodenbiodiversität, Verdichtung, Versalzung, Bodenmonitoring. -
Biodiversität und Ökosystemleistungen
z. B. Fruchtfolgen, Agroforst, Blühstrukturen, reduzierter Pflanzenschutz, Landschaftsdiversität. -
Ökologischer Landbau und nachhaltige Wertschöpfungsketten
In Deutschland besonders relevant wegen des Ziels von $30,%$ Ökolandbau bis $2030$. -
Digitalisierung und datenbasierte Landwirtschaft
z. B. Sensorik, KI, Fernerkundung, Entscheidungsunterstützung, Precision Farming — aber immer mit ökologischem oder ökonomischem Mehrwert. -
Praxisnähe und Transfer
Fördergeber mögen Projekte mit Landwirtinnen und Landwirten, Beratung, Unternehmen, Kommunen oder Verbänden — nicht nur Labor- oder Modellstudien. -
Systemischer Ansatz
Nicht nur Einzelmaßnahme, sondern Wirkung auf Betrieb, Region, Wertschöpfungskette, Umwelt und Wirtschaftlichkeit. -
Messbare Wirkung
Klare Kennzahlen: weniger Stickstoffverluste, weniger Pflanzenschutzmittel, mehr Boden-C, höhere Wasserhaltefähigkeit, geringere Kosten, höhere Ertragssicherheit usw.
1. EU-Ziele im Agrar- und Ernährungssystem
Die wichtigsten EU-Rahmen sind derzeit Horizon Europe Cluster 6, der European Green Deal, die Farm-to-Fork-Strategie, die EU-Biodiversitätsstrategie, die EU-Mission „A Soil Deal for Europe“ sowie Programme zur Klimaanpassung, Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie.
1.1 Horizon Europe Cluster 6
Horizon Europe Cluster 6 heißt:
Food, Bioeconomy, Natural Resources, Agriculture and Environment
Zentrale Ziele sind:
| EU-Ziel | Bedeutung für Agrar-Forschung | Förderargument |
|---|---|---|
| Umweltdegradation verringern | Landwirtschaft soll weniger Druck auf Boden, Wasser, Klima und Biodiversität ausüben | Projekt reduziert negative Umweltwirkungen messbar |
| Biodiversitätsverlust stoppen und umkehren | Schutz von Arten, Lebensräumen, Bodenleben, Bestäubern | Projekt stärkt Biodiversität im Produktionssystem |
| Natürliche Ressourcen besser managen | Wasser, Boden, Nährstoffe, Energie effizienter nutzen | Projekt spart Ressourcen und erhöht Resilienz |
| Ernährungssicherheit innerhalb planetarer Grenzen | Produktivität und Nachhaltigkeit zusammenbringen | Projekt verbindet Ertragssicherheit mit Umweltzielen |
| Digitalisierung und Innovation | Daten, KI, Sensorik, Modellierung, Automatisierung | Projekt schafft skalierbare digitale Entscheidungshilfen |
| Low-carbon und Circular Economy | weniger Emissionen, geschlossene Stoffkreisläufe | Projekt reduziert Emissionen und Nährstoffverluste |
| Nachhaltige Bioökonomie | Nutzung biobasierter Rohstoffe, Reststoffe, neue Wertschöpfung | Projekt schafft regionale Kreisläufe oder neue Produkte |
Wichtig für Anträge:
Die EU fördert besonders gern Projekte, die Transformation ermöglichen, also nicht nur Wissen erzeugen, sondern praktische Veränderung in Agrar- und Ernährungssystemen anstoßen.
1.2 EU-Mission „A Soil Deal for Europe“
Für Agrarprojekte ist die Bodenmission extrem relevant. Ihr Ziel ist, bis $2030$ gesunde Böden in Europa voranzubringen, unter anderem durch ein Netzwerk von Living Labs und Lighthouses.
Die acht Mission-Ziele sind:
- Desertifikation verringern
- organische Kohlenstoffvorräte im Boden erhalten
- Bodenversiegelung stoppen und Wiederverwendung urbaner Böden fördern
- Bodenverschmutzung reduzieren und Sanierung verbessern
- Erosion verhindern
- Bodenstruktur verbessern und Bodenbiodiversität stärken
- globalen Bodenfußabdruck der EU reduzieren
- Bodenwissen in der Gesellschaft erhöhen
Sehr förderstark sind Projekte, die:
- Bodenfruchtbarkeit und Ertragssicherheit verbinden,
- Humusaufbau und Klimaschutz messbar machen,
- Landwirtinnen und Landwirte in Reallaboren einbinden,
- Monitoring-Methoden entwickeln,
- Bodendaten harmonisieren,
- ökonomische Anreize für Bodenschutz untersuchen,
- Politik, Beratung und Praxis zusammenbringen.
1.3 Farm-to-Fork- und Biodiversitätsziele
Auch wenn einzelne politische Maßnahmen immer wieder angepasst werden, bleiben die großen Richtungen relevant:
| Zielbereich | Beispiele für förderfähige Forschungsfragen |
|---|---|
| Nachhaltige Lebensmittelproduktion | Wie kann Produktion ressourcenschonender werden? |
| Reduktion von Pflanzenschutzrisiken | Nichtchemischer Pflanzenschutz, biologische Verfahren, resistente Sorten |
| Nährstoffeffizienz | Stickstoff- und Phosphorverluste reduzieren |
| Ökolandbau | Produktivität, Wertschöpfungsketten, Marktintegration |
| Biodiversität | Agrarlandschaften, Bestäuber, Bodenorganismen, genetische Vielfalt |
| Klimaneutralität | Emissionsarme Produktionssysteme, Carbon Farming |
| Kreislaufwirtschaft | Reststoffnutzung, Nährstoffkreisläufe, regionale Stoffströme |
| Gesunde Ernährung | Verbindung von Landwirtschaft, Verarbeitung, Konsum und Gesundheit |
2. Ziele der deutschen Bundesregierung / BMLEH im Agrarbereich
In Deutschland ist vor allem das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, kurz BMLEH, zuständig. Viele Programme laufen über die BLE, die FNR oder den Projektträger Jülich.
Die Bundesregierung verfolgt im Agrarbereich im Kern die Transformation hin zu:
nachhaltigen, resilienten, klimafreundlichen, biodiversitätsfördernden und wirtschaftlich tragfähigen Agrar- und Ernährungssystemen.
2.1 Zentrale deutsche Förderziele
| Ziel der Bundesregierung | Was das für Forschungsprojekte bedeutet |
|---|---|
| Globale Ernährungssicherung | stabile Erträge, resiliente Systeme, internationale Kooperation |
| Nachhaltige und gesundheitsförderliche Ernährung | nachhaltige Wertschöpfung, weniger Lebensmittelverschwendung, bessere Qualität |
| Ausbau des Ökolandbaus | Beitrag zum Ziel $30,%$ ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft bis $2030$ |
| Zukunftsfähige landwirtschaftliche Betriebe | Wirtschaftlichkeit, Risikomanagement, neue Geschäftsmodelle |
| Ländliche Räume stärken | regionale Wertschöpfung, Beschäftigung, Infrastruktur, Beratung |
| Klimaschutz in der Landwirtschaft | Emissionsminderung, Humusaufbau, Moor-/Torf-Themen, Energieeffizienz |
| Klimaanpassung | Trockenheit, Hitze, Starkregen, neue Schaderreger, Wasserverfügbarkeit |
| Biodiversität erhalten | Artenvielfalt, genetische Ressourcen, Agrarökologie |
| Tierschutz und Tierwohl | tiergerechte Haltung, Tiergesundheit, Digitalisierung im Stall |
| Digitalisierung | Precision Farming, KI, Datenräume, Sensorik, Entscheidungsmodelle |
| Nachhaltige Bioökonomie | nachwachsende Rohstoffe, Kreisläufe, Reststoffnutzung |
| Wissenstransfer | Forschungsergebnisse müssen in Praxis, Beratung und Politik ankommen |
2.2 Bio-Strategie $2030$
Ein besonders klares politisches Ziel ist:
$30,%$ ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft bis $2030$
Die Bio-Strategie $2030$ umfasst die gesamte Wertschöpfungskette:
- Betriebsmittel
- Erzeugung
- Verarbeitung
- Handel
- Konsum und Außer-Haus-Verpflegung
- Forschung, Wissenstransfer, Datenverfügbarkeit und Infrastruktur
- Rechts- und Förderrahmen
Für Forschungsanträge ist besonders wichtig:
- ökologische Pflanzenzüchtung,
- ökologische Tierhaltung und Fütterung,
- Leguminosen,
- ökologische Grünlandbewirtschaftung,
- regionale Bio-Wertschöpfungsketten,
- Verarbeitungskapazitäten,
- Datenverfügbarkeit,
- Praxisforschung,
- Wissenstransfer,
- Bildung und Beratung.
Starkes Argument:
Ein Projekt kann nicht nur „Bio“ fördern, sondern Innovationen entwickeln, von denen auch konventionelle Betriebe profitieren. Das ist politisch attraktiv, weil es die Transformation der gesamten Landwirtschaft unterstützt.
2.3 Klimaschutz und Klimaanpassung
Deutschland fördert Agrarforschung, wenn sie hilft:
- Treibhausgasemissionen zu senken,
- Stickstoffüberschüsse zu reduzieren,
- Kohlenstoff im Boden zu speichern,
- Moore und organische Böden zu schützen,
- Betriebe an Dürre, Hitze und Starkregen anzupassen,
- Wasser effizienter zu nutzen,
- klimaresiliente Sorten und Anbausysteme zu entwickeln,
- regionale Kreisläufe zu stärken.
Gute Projektfragen wären z. B.:
- Wie verändert eine bestimmte Fruchtfolge den Humusgehalt und die Ertragssicherheit?
- Welche digitalen Tools helfen, Stickstoffgaben zu reduzieren?
- Wie kann Agroforst zur Klimaanpassung und Biodiversität beitragen?
- Welche Maßnahmen sind für Betriebe wirtschaftlich attraktiv und ökologisch wirksam?
2.4 Digitalisierung in der Landwirtschaft
Digitalisierung allein reicht selten als Förderargument. Sie wird stärker, wenn sie ein anderes Ziel unterstützt:
| Digitalisierung als Mittel für ... | Beispiel |
|---|---|
| Klimaschutz | KI-gestützte Düngeoptimierung |
| Biodiversität | Fernerkundung von Landschaftsstrukturen |
| Bodenschutz | Sensorik für Verdichtung, Feuchte, Humus |
| Tierwohl | automatisiertes Gesundheitsmonitoring |
| Ressourceneffizienz | präzise Bewässerung oder Pflanzenschutzapplikation |
| Wissenstransfer | digitale Beratungstools für Betriebe |
Gute Formulierung im Antrag:
Nicht: „Wir entwickeln eine App.“
Sondern: „Wir entwickeln und validieren ein digitales Entscheidungssystem, das Stickstoffverluste um $x,%$ senken und gleichzeitig Ertragssicherheit erhalten soll.“
3. Welche Aspekte sprechen konkret für die Bewilligung eines Förderantrags?
3.1 Politische Passfähigkeit
Ein Antrag sollte explizit zeigen, auf welche Ziele er einzahlt.
Beispiel:
Das Vorhaben leistet einen Beitrag zu den Zielen von Horizon Europe Cluster 6, insbesondere Ressourceneffizienz, Bodengesundheit, Biodiversität und resilienten Ernährungssystemen. Zugleich unterstützt es nationale Ziele der Bundesregierung wie Klimaschutz in der Landwirtschaft, Ausbau nachhaltiger Produktionssysteme, Wissenstransfer und die Stärkung zukunftsfähiger landwirtschaftlicher Betriebe.
Noch besser ist eine Tabelle im Antrag:
| Projektbaustein | Politisches Ziel | Erwarteter Beitrag |
|---|---|---|
| Feldversuche mit Zwischenfrüchten | Bodengesundheit, Klimaschutz | Humusaufbau, Erosionsschutz |
| digitale Nährstoffbilanzierung | Ressourceneffizienz, Gewässerschutz | weniger N- und P-Verluste |
| Praxisbetriebe als Living Lab | EU-Mission Soil, Wissenstransfer | direkte Umsetzbarkeit |
| ökonomische Bewertung | Wettbewerbsfähigkeit | betriebliche Entscheidungsgrundlage |
| Beratungsmaterialien | Transfer | Skalierung in die Praxis |
3.2 Klare Wirkung und Kennzahlen
Fördergeber wollen wissen: Was ändert sich durch das Projekt?
Mögliche Kennzahlen:
| Bereich | Mögliche Indikatoren |
|---|---|
| Klima | CO₂-Äquivalente je Hektar oder je Produkteinheit |
| Boden | Humusgehalt, Infiltration, Aggregatstabilität, Bodenleben |
| Wasser | Wasserhaltefähigkeit, Nitrataustrag, Bewässerungseffizienz |
| Biodiversität | Artenzahl, Bestäuberaktivität, Bodenfauna, Habitatqualität |
| Pflanzenschutz | Reduktion chemischer Anwendungen, Befallsdruck, Resistenzen |
| Ökonomie | Deckungsbeitrag, Investitionsbedarf, Arbeitszeit, Risiko |
| Transfer | Zahl der Praxisbetriebe, Schulungen, Beratungsprodukte |
| Skalierung | Flächenpotenzial, regionale Übertragbarkeit, Geschäftsmodell |
Wichtig: Nicht zu viel versprechen. Lieber realistische Zielwerte und saubere Methodik.
3.3 Praxispartner einbinden
Bei konkurrierenden Anträgen gewinnt oft der Antrag, der glaubwürdig zeigt:
- Landwirtinnen und Landwirte sind von Anfang an beteiligt.
- Es gibt Feldversuche unter realen Bedingungen.
- Beratung, Verbände oder Kammern helfen beim Transfer.
- Unternehmen oder Genossenschaften ermöglichen Skalierung.
- Ergebnisse werden nicht nur publiziert, sondern angewendet.
Besonders passend zur EU-Logik sind:
- Living Labs
- Reallabore
- Demonstrationsbetriebe
- Multi-Actor Approach
- Co-Creation
- Lighthouse Farms
- Open Days
- Beratungsmodule
- Policy Briefs
3.4 Innovationshöhe
Der Antrag muss klar machen, warum das Projekt nicht „more of the same“ ist.
Mögliche Innovationsarten:
| Innovationsart | Beispiel |
|---|---|
| Technisch | neue Sensorik, KI-Modell, Robotik, Fernerkundung |
| Agronomisch | neue Fruchtfolge, Mischkultur, Agroforstsystem |
| Ökologisch | Förderung von Bodenmikrobiom oder Nützlingen |
| Sozial | neues Beratungs- oder Kooperationsmodell |
| Ökonomisch | Carbon-Farming-Modell, regionale Wertschöpfung |
| Politisch | Bewertungsinstrument für Fördermaßnahmen |
| Systemisch | Verbindung von Produktion, Verarbeitung, Markt und Konsum |
Besonders stark sind Projekte, die ökologische Wirkung und wirtschaftliche Machbarkeit gemeinsam untersuchen.
4. Themen mit aktuell hoher Förderlogik
Hier einige Projektfelder, die politisch gut anschlussfähig sind.
Thema 1: Bodengesundheit und Carbon Farming
Warum förderfähig?
Passt zu EU Soil Mission, Klimaschutz, Biodiversität, Wasserhaushalt und deutscher Agrarpolitik.
Mögliche Forschungsfragen:
- Welche Maßnahmen erhöhen stabilen organischen Kohlenstoff im Boden?
- Wie lassen sich Humusaufbau und Ertragssicherheit gleichzeitig verbessern?
- Wie zuverlässig sind Carbon-Farming-Messmethoden?
- Welche Geschäftsmodelle funktionieren für Betriebe?
Starkes Alleinstellungsmerkmal:
Kombination aus Feldmessung, ökonomischer Bewertung und digitalem Monitoring.
Thema 2: Leguminosen und Eiweißpflanzen
Warum förderfähig?
Passt zu Nährstoffeffizienz, weniger Mineraldünger, Klimaschutz, Ökolandbau, regionaler Wertschöpfung und Ernährungssouveränität.
Mögliche Forschungsfragen:
- Wie können Leguminosen stabiler in Fruchtfolgen integriert werden?
- Welche Sorten oder Mischkulturen sind klimaresilient?
- Wie verbessern Leguminosen Bodenfruchtbarkeit und Stickstoffeffizienz?
- Wie kann regionale Verarbeitung gestärkt werden?
Thema 3: Agroforst und multifunktionale Landschaften
Warum förderfähig?
Passt zu Klimaanpassung, Biodiversität, Erosionsschutz, Wasserrückhalt, Kohlenstoffspeicherung und ländlicher Wertschöpfung.
Mögliche Forschungsfragen:
- Welche Agroforstsysteme sind für bestimmte Regionen wirtschaftlich tragfähig?
- Wie verändern sie Mikroklima, Wasserhaushalt und Ertrag?
- Welche Biodiversitätseffekte treten auf?
- Welche Hemmnisse bestehen bei Betrieben?
Thema 4: Nichtchemischer Pflanzenschutz
Warum förderfähig?
Passt zu Biodiversität, Farm-to-Fork, Ökolandbau, Gewässerschutz und Verbraucherakzeptanz.
Mögliche Forschungsfragen:
- Wie effektiv sind biologische Kontrollverfahren?
- Wie können Prognosemodelle Pflanzenschutzmaßnahmen reduzieren?
- Welche Rolle spielen resistente Sorten, Mischkulturen und Fruchtfolgen?
- Wie lassen sich Ertragssicherheit und Pflanzenschutzreduktion verbinden?
Thema 5: Wasserresiliente Landwirtschaft
Warum förderfähig?
Dürre, Starkregen und Wasserknappheit werden immer relevanter.
Mögliche Forschungsfragen:
- Wie erhöhen Böden ihre Wasserhaltefähigkeit?
- Welche Bewässerungsstrategien sind effizient und wirtschaftlich?
- Wie können Betriebe Starkregen besser puffern?
- Welche Kulturen und Sorten sind für trockene Regionen geeignet?
Thema 6: Digitalisierung für nachhaltige Landwirtschaft
Warum förderfähig?
Digitalisierung ist ein Querschnittsthema, aber sie muss Umwelt- oder Praxisnutzen haben.
Mögliche Forschungsfragen:
- KI-gestützte Düngeplanung zur Reduktion von Nährstoffverlusten
- Fernerkundung zur Erfassung von Bodengesundheit
- Sensorik zur Bewässerungssteuerung
- digitale Tools für Biodiversitätsmonitoring
- Entscheidungsunterstützung für Ökobetriebe
Thema 7: Regionale nachhaltige Wertschöpfungsketten
Warum förderfähig?
Passt zu ländlichen Räumen, Resilienz, Bio-Strategie, Ernährungssicherheit und regionaler Wirtschaft.
Mögliche Forschungsfragen:
- Wie können regionale Bio-Wertschöpfungsketten stabilisiert werden?
- Welche Geschäftsmodelle funktionieren für kleine und mittlere Betriebe?
- Wie lassen sich Verarbeitungskapazitäten aufbauen?
- Wie kann öffentliche Gemeinschaftsverpflegung regionale Nachfrage erzeugen?
5. Formulierungen, die in einem Antrag helfen können
Gute Argumentationsstruktur
Ein Antrag sollte ungefähr so argumentieren:
-
Problem
Landwirtschaft steht unter Druck durch Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Bodendegradation, steigende Kosten und gesellschaftliche Anforderungen. -
Politische Relevanz
Das Projekt adressiert EU- und Bundesziele zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen, Klimaschutz, Bodengesundheit, Biodiversität und resilienten ländlichen Räumen. -
Wissenslücke
Bisher fehlen praxistaugliche, regional angepasste und ökonomisch bewertete Lösungen. -
Innovation
Das Projekt kombiniert neue Methoden, Praxisversuche und digitale/ökologische/systemische Ansätze. -
Impact
Ergebnisse sind messbar, übertragbar und direkt für Betriebe, Beratung und Politik nutzbar. -
Transfer
Praxispartner, Demonstrationsflächen, Beratungsformate und offene Daten sichern Anwendung und Skalierung.
Beispiel-Absatz
Das Vorhaben unterstützt zentrale Ziele der europäischen und deutschen Agrarpolitik, insbesondere die Transformation zu nachhaltigen, klimaresilienten und ressourceneffizienten Agrarsystemen. Es adressiert die Ziele von Horizon Europe Cluster 6 sowie der EU-Mission „A Soil Deal for Europe“ durch die Verbesserung der Bodengesundheit, die Reduktion von Nährstoffverlusten und die Stärkung der Biodiversität. Gleichzeitig trägt es zu nationalen Zielen der Bundesregierung bei, darunter Klimaschutz in der Landwirtschaft, Wissenstransfer in die Praxis, Stärkung zukunftsfähiger Betriebe und Ausbau nachhaltiger Produktionssysteme. Durch die Einbindung von Praxisbetrieben, Beratung und regionalen Wertschöpfungspartnern wird sichergestellt, dass die Ergebnisse unmittelbar anwendbar und skalierbar sind.
6. Was macht einen Antrag gegenüber konkurrierenden Anträgen stärker?
Checkliste
Ein Antrag ist konkurrenzfähiger, wenn er diese Fragen überzeugend beantwortet:
-
Warum jetzt?
Gibt es politischen, klimatischen oder wirtschaftlichen Handlungsdruck? -
Warum dieses Konsortium?
Sind Wissenschaft, Praxis, Beratung und ggf. Unternehmen sinnvoll kombiniert? -
Warum diese Methode?
Ist die Methodik robust, vergleichbar und skalierbar? -
Warum wird es umgesetzt?
Gibt es echte Nachfrage aus der Praxis? -
Was ist nach Projektende anders?
Gibt es Tools, Leitfäden, Daten, Demonstrationsbetriebe, Geschäftsmodelle? -
Wie wird Wirkung gemessen?
Gibt es klare Baselines und Indikatoren? -
Wie wird Wissen verbreitet?
Beratung, Workshops, Feldtage, Policy Briefs, Open Data, Fachartikel? -
Wie wird wirtschaftliche Machbarkeit bewertet?
Fördergeber wollen nicht nur ökologische Wirkung, sondern auch Umsetzbarkeit.
7. Besonders starke Kombinationen
Wenn deine Freundin noch nach einem Thema sucht, wären diese Kombinationen strategisch attraktiv:
| Kombination | Warum stark? |
|---|---|
| Bodengesundheit + Digitalisierung + Praxisbetriebe | Passt zu EU Soil Mission und nationaler Transformation |
| Leguminosen + Klimaschutz + regionale Wertschöpfung | Passt zu Eiweißstrategie, Nährstoffeffizienz und Resilienz |
| Agroforst + Wasserhaushalt + Biodiversität + Ökonomie | Sehr systemisch und politisch anschlussfähig |
| Ökolandbau + Ertragssicherheit + Wissenstransfer | Passt direkt zur Bio-Strategie $2030$ |
| Nichtchemischer Pflanzenschutz + KI-Prognose + Feldversuche | Passt zu Pflanzenschutzreduktion und Digitalisierung |
| Carbon Farming + Monitoring + Geschäftsmodelle | Passt zu Klima, Boden und Förderpolitik |
| Tierwohl + Emissionsminderung + digitale Stalltechnik | Verbindet Tierhaltung, Klima und Innovation |
Quellen / politische Bezugspunkte
Relevante Bezugspunkte für einen Antrag wären insbesondere:
- Europäische Kommission: Horizon Europe Cluster 6 — Food, Bioeconomy, Natural Resources, Agriculture and Environment
- EU Mission: A Soil Deal for Europe
- European Green Deal
- Farm-to-Fork-Strategie
- EU-Biodiversitätsstrategie $2030$
- BMLEH-Forschungsförderung
- BMLEH-Forschungsplan: Forschung und Innovation zur Transformation hin zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen
- Bio-Strategie $2030$ der Bundesregierung
- Transformationsbericht der Bundesregierung zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen
- Programme der BLE, FNR und des Projektträgers Jülich
Praktischer Rat
Sie sollte nicht mit „Ich habe ein interessantes Forschungsthema“ beginnen, sondern mit:
Welches konkrete politische Ziel, welches Praxisproblem und welche messbare Wirkung adressiert mein Projekt besser als andere?
Wenn sie diese drei Punkte stark beantworten kann — Policy Fit, Praxisnutzen, messbarer Impact — steigen die Chancen deutlich.